Schiesswütige Amerikaner

In Idaho haben wir ein schönes Plätzchen an dem Blue Lake gefunden, dazu ist man eine kleine Strasse zwischen Bäumen hindurch an einem Fluss entlanggefahren. Da es etwas eng war zwischen den Bäumen, konnte nicht gleich jeder durch, doch wir hatten keine Probleme mit unserem schmalen Camper. Wir haben uns also ein Plätzchen am Wasser ausgesucht und uns schön zwischen zwei Bäumen positioniert, unsere Campingstühle ausgepackt und den Nachmittag am Wasser verbracht. Plötzlich hörten wir Motoren aufheulen und ein Mann schrie immer He! Ho! He! Ho! Wir gingen zu der Strasse, um nachzusehen was überhaupt los war. Da wollte tatsächlich ein riesiger Pickup mit noch viel grösserem Wohnanhänger sich einen Weg durch die Bäume bahnen. Natürlich war der Anhänger viel zu breit und zu hoch, aber nicht verzagen, die Amerikaner haben gleich eine Kettensäge ausgepackt und sich den Weg freigeschnitten. Nicht weit von uns hatte es eine Stelle die gross genug für den Anhänger war und sie haben dann auch gleich alles in Beschlag genommen. Die Feuerstelle wurde umgepflanzt, den Boden gewischt, eine Veranda gebaut und der Camper ausgefahren. Den ganzen Abend lief dann laute Musik und man hörte ständiges Gelächter. Um etwa 23:00 Uhr war dann aber Stille und wir getrauten uns auch noch aus dem Camper. Wir haben uns ein Ritual angewöhnt indem wir nachts vor dem Schlafen gehen, noch schnell nackt Draussen mit dem Eimer duschen gehen. Kaum stand Lilya draussen am Duschen, fingen die Amerikaner an zu schiessen. PENG! PENG! Wir haben kurz den Kopf eingezogen und wunderten uns, aber zum Glück hörte das Ganze dann auch wieder auf. Als Anton dann am Duschen war, stand plötzlich im Dunkeln ein betrunkener Amerikaner neben ihm und lachte. Er meinte nur, dass er an diesem Tag schon von einer Wandergruppe erwischt wurde, als er gerade sein Geschäft im Unterholz verrichtete. Er habe ihnen dann zugewunken und die Wandergruppe lief verstört weiter. Er lachte dann nochmals und verschwand in der Dunkelheit.


Was pfeift da im Wald?

Wir waren im Saint Joe National Forest in Idaho unterwegs. Da am Wochenende schon die meisten Plätze im Wald besetzt waren, sind wir immer tiefer und tiefer in den Wald gefahren. Irgendwann haben wir dann das perfekte Plätzchen gefunden. Die Seitenstrasse war jedoch schlammig und hatte tiefe Löcher. Nach einiger Zeit mit herumprobieren, haben wir es dann aber trotzdem geschafft und sind zu der kleinen Lichtung am Bach hervorgedrungen. Wir haben gleich unser Lager aufgeschlagen und ein Feuer gemacht. Als es dann eindunkelte und die Wolken zuzogen, hörten wir plötzlich in der Ferne ein Pfeifen. Es war sehr regelmässig und hörte sich nach einer Trillerpfeife an. Wir dachten gleich an verirrte Wanderer, da auch vor ein paar Minuten ein Helikopter sehr tief über den Wald geflogen ist. Wir fingen an zu klatschen und zu pfeifen, so dass die verirrten Wanderer zu uns finden und wir sie in die Zivilisation zurückbringen würden. Das Pfeifen wurde immer lauter und hat uns nach unseren Rufen immer geantwortet, doch es ist Niemand aus dem Gestrüpp aufgetaucht. Es fing an zu regnen, blitzen und donnern. Auch wir überlegten uns aus dem Wald zu fahren, da man bei Unwettern nicht unbedingt in einem morschen Wald stehen sollten. Wir entschieden uns zu bleiben und hupten extra noch zwei Mal mit dem Auto, damit die Verirrten uns finden. Danach war still und wir gingen ins Bett. Am frühen Morgen hörten wir das Pfeifen dann erneut und es wurde immer lauter, doch Niemand tauchte auf. Wir sind dann am Mittag doch losgefahren und haben in der nächsten grösseren Stadt wegen vermissten Personen gegoogelt, doch auch da nichts gefunden. Also sind wir zum nächsten Platz im nächsten National Forest aufgebrochen und ein Feuerchen an einem Plätzchen am Fluss gemacht. Sobald es dunkel wurde, hörten wir das genau gleiche Pfeifen. Wir werden wohl von einem Vogel, Frosch oder Insekt veralbert.


Achtung Blaulicht

Wir sind entlang der Küste von Oregon unterwegs. Polizisten sieht man hier gelegentlich, jedoch gibt es keine Blitzer und auch die Polizisten sind mit Corona bezogenen Angelegenheiten beschäftigt. Normalerweise sollte man 50 mph fahren, was für uns schon schwierig ist immer umzurechnen in km/h, also fahren wir sowieso grosszügig, werden aber immer von Einheimischen überholt. Sind sowieso nur wenige Fahrzeuge auf den Strassen, aber plötzlich kommt uns ein Polizeiauto entgegen. Anton tritt auf die Bremsen und denkt sich nichts dabei, doch dann sehen wir das Polizeiauto wenden im Rückspiegel. Uns gehen gleich die Polizeiszenen in den Filmen durch den Kopf und Anton fährt deshalb extra anständig. Bringt nichts, nach einer Weile gehen die blauen Lichter an und wir müssen anhalten. Schön brav legt Anton die Hände an das Steuerrad und Lilya kramt nach den Pässen und Papieren. Breitbeinig, aufgeblasen und vollbewaffnet kommt dann ein Polizist zu uns ans Fenster und belehrt uns, dass wir 18 mph zu schnell gefahren sind. Wir erklären ihm, dass wir Schwierigkeiten mit dem Umrechnen hätten und entschuldigten uns. Er verwarnte uns lediglich und begann dann, uns über unseren Camper auszufragen. Das ging glimpflich aus, doch er wollte wahrscheinlich eh nur unseren Camper anschauen.


In der Corona Warteschlange vor dem Walmart

Wegen der Corona Krise werden auch in den USA Vorsichtsmassnahmen getroffen und eine dieser, ist die Begrenzung der Kunden in den Lebensmittelläden. Dies führt öfter dazu, dass sich lange Schlangen vor den Supermärkten bilden. Als wir also in Kalifornien unterwegs waren und unseren Vorrat aufstocken wollten, sind wir genau in so eine Warteschlange vor dem Walmart geraten. Das Wetter war wunderschön und die Schlange nicht so lange, also haben wir uns auch brav dazu gestellt und sind immer auf den nächsten Punkt, 6 Feet zum nächsten vorgerückt. Plötzlich fängt eine Dame an zu wettern, wie lächerlich doch das Ganze sei. Man hätte nur 43 Fälle und an der Grippe sterben doch mehr Leute. Sie wird immer lauter und verirrt sich immer in absurderen Theorien. An allem seien doch die Demokraten schuld, diese hätten das Corona Virus erfunden, um Allen Angst zu machen und um dann Alles zu kontrollieren. Sie geht dann auf einen älteren Mann im Rollstuhl zu, der ihr die ganze Zeit beipflichtete. Sie begrüssten ihn zuerst mit dem vorgegebenen Ellenbogen-Gruss, bedankt sich, dass er Veteran ist und dann geben sie sich beide lachend und demonstrativ doch die Hände. Wir versuchen derweil unser Kopfschütteln zu verbergen, da offenbar die Mehrheit der Menschen in der Schlage, der Damen zustimmen. Was für uns sowieso unbeschreiblich ist, dass ein Mensch wie Donald Trump die USA regieren kann und während so einer sensiblen Zeit einer Pandemie, so einen Schwachsinn zusammenlügen kann und das Volk trotzdem zu ihm steht. Jedoch müssen wir auch immer wieder feststellen, dass in jedem Bundesstaat, in dem wir waren, immer Trump 2020 in grossen Buchstaben und Fahnen vor den Häusern weht und dies mit einer triumphierenden Mehrheit.


Logik in der Corona Krise

Die Lockerungen der Corona-Auflagen treten langsam in Washington Staat in Kraft und wir freuen uns über etwas mehr Freiheit. Wir sind unterwegs nach Montana, schaffen es aber nicht ganz und bleiben vor der Grenze zu Idaho noch in Washington stecken. Ist nicht so schlimm, hier gibt es viel öffentliches Land und Naherholungsgebiete. Also suchen wir uns mit der Karte einen Schlafplatz aus und fahren dahin. Angekommen, werden wir von einigen Verbotsschildern begrüsst: Nur Taggebrauch gestattet, kein übernachten. Wir schütteln nur den Kopf. Die Plätze sind überlaufen mit Einheimischen, die in grossen Zahlen, riesigen Grillfeste feiern und abends nach Hause gehen. Was genau ist an dem besser, als wenn jetzt ein paar Camper hier übernachten würden? Wütet das Virus nur in der Nacht? Wir gehen verzweifelt weiter, müssen aber auch bei drei weiteren Parks, das genau gleiche lesen. Völlig egal ob es komplett abgelegen ist und leergefegt, hauptsache man darf hier nicht übernachten und dies wie immer «bis auf weiteres». Völlig erschöpft schaffen wir es aber zu einem Parkplatz eines Wanderweges, dort begrüssen uns schon von Weitem eine Truppe gut gebauter Amerikanerinnen in ihrem Riesencamper und in der Ferne sind noch lange Schüsse zu hören. Wir halten uns immer an die Vorgaben des Staates und versuchen so wenig wie möglich mit Menschen in Kontakt zu kommen, doch einige Auflagen lösen auch bei uns Kopfschütteln aus. Das alles macht es auch nicht besser, dass fast jede Gemeinde seine eigenen Richtlinien aufstellt und keiner wirklich mehr weiss was überhaupt zu tun ist. Völlig genervt hat Anton noch nach dem Sinn des Übernachtungsverbot per Mail den zuständigen Behörden gefragt. Als Grund gaben sie die Vorgaben des Gouverneurs an, konnten uns damit aber unsere Frage nicht beantworten.


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