Einmal quer durch Kanada

In Edmundston angekommen, gehen wir gleich einkaufen, um den nötigen Proviant aufzustocken, den wir nicht über die Grenze nehmen durften.

Unser Ziel sind zuerst mal die Niagara Fälle, bis dahin sind aber noch einige tolle Städte zu besuchen. Also besuchen wir zuerst Quebec, dann Montreal, Ottawa und schliesslich Toronto. Wir müssen zugeben, wir sind nicht unbedingt gerne in Städten und tummeln uns lieber im Niemandsland der Natur herum. In den Städten ist es immer sehr schwierig einen Schlafplatz zu finden und wir hatten auch noch das Pech, dass die offiziellen Campingplätze geschlossen waren. Man muss immer etwas auf Trab bleiben und sich informieren, ob man am aktuellen Ort überhaupt im Auto übernachten darf, oder man ziemlich schnell mit der Polizei Probleme bekommt. Wir orientieren uns hauptsächlich an iOverlander. Das ist eine App, die kostenlose oder kostenpflichtige Campingplätze in der Gegend anzeigt. Aber auch einfach Parkplätze, bei denen man am Strassenrand über Nacht bleiben darf. Diese App wird von den Benutzern gepflegt und kann somit auch falsche Informationen enthalten. So kann es auch gerne mal vorkommen, dass man dann noch in der Nacht von der Polizei weggeschickt wird. Wir suchen also Anhaltspunkte in iOverlander und versuchen uns noch nebenbei über die örtlichen Gesetze zu informieren. Was sehr toll ist, ist das sogenannte BLM Land in den USA oder Crown Land in Kanada. Dieses Land gehört dem Staat und wird der Bevölkerung zur Verfügung gestellt, für uns fühlt es sich aber manchmal an wie eine Zone der Anarchie. Leider übertreiben es Manche gerne auf diesen Ländern und vermüllen es, oder schiessen wie die Wilden um sich, darunter auch viele Locals. Aber oft hatten wir auf diesem Land die besten Schlafplätze – kostenlos.

Aber zurück zu unserer Route. In Städten ist es wie schon erwähnt sehr schwierig einen Schlafplatz, Wasser und Abfallentsorgungsmöglichkeiten zu finden. Auch als wir in Quebec angekommen, können wir bis spät abends keinen Schlafplatz finden und sind deshalb schon etwas mürrisch. Ein Parkplatz muss genügen. Wir hoffen, dass wir in der Nacht von der Polizei nicht weggeschickt werden. Aber wir verbringen eine angenehme Nacht ohne Zwischenfälle.

An Städten ist es sehr praktisch, dass es an vielen Orten offenes WLAN hat, sodass wir uns zuerst mal informieren können. Wir sind immer sehr spontan unterwegs und lassen uns von unserem Gefühl leiten. So können wir auch kurzfristig entscheiden, ob wir gerade Lust auf eine Stadtrundfahrt haben, oder doch lieber einfach etwas Essen und Shoppen gehen wollen. In Quebec gibt es ein riesiges schlossähnliches Hotel und eine wunderschöne kleine Altstadt. Wir flanieren also den ganzen Tag durch den touristischen Teil der Stadt und gönnen uns das Nationalgericht Poutine. Dieses Gericht wird leider Momentan etwas gemieden, da es nach einer nicht so beliebten Person klingt, der gerade für Aufruhe sorgt. Es handelt sich eigentlich einfach um Pommes mit Bratensauce mit Käse. Nach einem ereignisvollen Tag entscheiden wir uns aber weiter nach Montreal zu fahren.

Montreal ist noch etwas grösser als Quebec, also lassen wir uns unseren Camper ausserhalb der Stadt stehen und fahren mit der U-Bahn hinein. Mitten im Getümmel kommen wir an und sind zuerst mal erschlagen. Es ist gefühlt 30 Grad heiss und es gibt sehr viele Obdachlose um Spenden betteln. Wir sind einfach überrascht, dass so eine moderne Hipster-Stadt, doch so eine unschöne Seite hat. Natürlich ist an den Touristen-Plätze nichts davon zu spüren und die Polizei ist immer präsent, doch die Situation gibt Einem schon zu denken. Auch hier gehen wir durch die ganze Stadt und lassen die Eindrücke auf uns wirken, entschliessen uns aber auch hier nach einem Tag weiter nach Ottawa zu reisen.

Es ist Sonntag und wir sind mitten in Ottawa. Dies ist die Hauptstadt von Kanada und ist zu unserer Überraschung total leergefegt. Wir laufen der ganzen Promenade entlang, wo sich alle wichtigen politischen und geschichtsträchtigen Gebäude befinden und sind überwältigt. Leider ist wie schon mehrmals erwähnt keine Touristen-Saison und noch alles geschlossen oder es befindet sich eine riesige Baustelle über dem Gebäude. Deswegen fahren wir auch hier nach einem Tag weiter nach Toronto.

Als wir in die Nähe von Toronto kommen und nur den Rand der Stadt auf der Autobahn streifen, haben wir uns schon entschieden weiter zu den Niagara Fällen zu fahren. Es tut uns leid Toronto, aber nach ein paar Tagen Städtereise, hatten wir schon genug und wir sehnten uns nach Natur.

Der Frühling steht in den Startlöchern und alles fängt an zu blühen, was für einen wunderschönen Anblick sorgt und das noch mit einem den grössten Wasserfällen im Hintergrund. Wir haben das beste Wetter erwischt und freuen uns schon mit dem Boot und einem Plastik-Poncho in Mitten des Wasserfalls zu fahren – es ist der absolute Hammer! Leider fahren die Boote am Mittwoch von der kanadischen Seite nicht, aber wir können in einem grossen Treppenlabyrinth hinter den Wasserfall laufen. Da wir davon aber nicht genug haben, laufen wir noch über die Grenze zu den Amerikanern und fahren mit ihrem Boot zum Wasserfall. Wenn man schönes Wetter hat, ist Frühling wahrscheinlich die beste Jahreszeit, die Niagarafälle zu besuchen. Alles blüht und es sind fast keine Leute unterwegs. Da es natürlich keine geeigneten kostenlose Nachstellplätze für den Camper gibt, sondern nur einen 45 Dollar teuren Campingplatz an der Hauptstrasse, entscheiden wir uns den Luxus zu gönnen und fast für den gleichen Preis ein Hotelzimmer mit Parkplatz zu nehmen. So können wir ganz unkompliziert die beleuchteten Fälle in der Nacht besuchen und das Nachtleben erleben und sparen dadurch die 10 Dollar Parkgebühren pro Stunde. Kanada hat eine sehr aktive Mikrobrauer-Kultur, das können wir in einer kleinen Brauerei geniessen und lassen den Abend ausklingen.

Ontario ist riesig und wir entschliessen uns so schnell wie möglich voran zu kommen und fahren einfach mal darauf los. Wir brauchen mehrere Tage bis wir durch Ontario durch sind und besuchen zwischendurch noch den Algonquin National Park um endlich ein paar Elche zu sehen. Wir können einige im Unterholz davonhuschen sehen, doch diese Tiere sind echt scheu. Leider werden sie in Kanada auch aktiv gejagt. Anschliessend sind wir in Manitoba und besuchen das Mennonite Heritage Village. Diese Leute stammen alle aus der Schweiz oder Deutschland und wir sind überrascht viel sie von der Sprache noch erhalten haben. Ein sehr tüchtiges Völkchen mit einer sehr interessanten Geschichte.

Nach Manitoba kommen wir in Saskatchewan an. Diese Provinz besteht hauptsächlich aus Landwirtschaft und ist im Mai noch total im Stillstand. Es scheint wie fast eine elend weite Prärie. In Saskatchewan befinden sich die Grasslands und wir wollen natürlich noch einige einheimische Tiere auf unsere Liste setzen, die wir gesehen haben. Die Grasslands sind scheinbar endlos und strotzen nur so vor Leben, obwohl es auf den ersten Blick nach einer Einöde aussieht. Um überhaupt zu diesem Park zu gelangen, hatten wir doch einige Schreckmomente. Es gibt fast keine festen Strassen und es hat gerade angefangen zu tauen. Wir kommen also ein paar Male in eine riesige Schlammschlacht und Rutschpartie und müssen einige Umwege nehmen und nicht doch noch im Nirgendwo stecken zu bleiben. Wir haben zwar einen satellitengestützten Notfallknopf, aber noch nicht aktiviert, dies wollten wir uns für Alaska aufsparen. Zum Glück lief alles gut und unser treuer Camper hat uns nicht im Stich gelassen – und natürlich gehört dazu auch ein brillanter Fahrer.

Weiter geht es nach Alberta. Spätestens hier machen wir uns langsam Sorgen wegen unserem Visum für die USA. Durch die Verzögerung wird es langsam knapp, nochmals in die USA einzureisen und dann nach Mexico zu kommen. Wir informieren uns für ein B2-Touristenvisum und wie wir es vielleicht in Kanada beantragen können, da das ESTA-Waiver nur 90 Tage gültig ist. Leider dauert auch hier eine Anmeldung bis Bestätigung bis zu einem Jahr, aber zu dem Thema kommen wir nochmals zurück.

British Columbia hier wir kommen. Wir überrascht wie plötzlich die Einöde der Grasslandschaften und Ölfeldern zu einem dichten Wald wird. Auch sehen wir zum Ersten Mal Bären aus nächster Nähe, Stachelschweine, Steinböcke und Elche kommen auch langsam aus ihren Verstecken. Wir fahren durch Banff und kommen Ende Juni nochmals zurück. Im Mai liegt noch viel Schnee und einige Strassen sind geschlossen, positiv ist nur, dass der Park noch nicht von Touristen überlaufen ist. Wir geniessen also das Durchfahren auf unserem Weg in den Yukon.

Yukon ist riesig und hat gerade mal 43 000 Einwohner. Dies zeigt die Einsamkeit, die man oft bei der Durchfahrt verspürt. Wir fahren über Whitehorse hoch nach Dawson City, das zu Beginn des Klondike-Goldrauschs gegründet wurde. Mit 1375 Einwohnern die zweitgrösste Stadt im Yukon. Wir geniessen die Zeit in Dawson City, einem wunderschönen Städtchen mit einem Old Western Flair und versuchen unsere Ferienkasse mit etwas Goldschürfen aufzubessern. Mit grossem Erfolg: wir finden einige Goldflocken! Reich werden wir damit jedoch nicht. Wir können die Tage bei 20 Grad und Sonne geniessen, die hier mittlerweile erst nach Mitternacht unter und um etwa 4 Uhr wieder auf geht. Aber so richtig dunkel wird es hier nicht mehr.

Am 01.06.22 wollen wir dann aufbrechen. Über den Top of the World Highway, der an diesem Tag das erste Mal nach zwei Jahren wieder öffnete, soll es nach Alaska gehen. Kaum 10 Minuten gefahren und unsere Motorleuchte fängt an zu leuchten. Wir brechen unser Vorhaben sicherheitshalber ab und bleiben noch einen Tag in Dawson City. Am nächsten Tag ist das Lichtlein weg und alle Werkstätten sind über Monate ausgebucht. Also versuchen wir unser Glück und fahren einfach darauf los. Der Highway ist zu unserer Überraschung sehr gut in Schuss und wir gelangen einfach an die Grenze nach Alaska. Auch hier macht sich wieder die Nervosität breit. Die für die Einfuhr verbotenen Früchte mampfen wir noch schnell einen Kilometer vor dem Grenzübergang und machen dann unsere Papiere parat. Die Zöllner sind hier sehr nett und hilfsbereit und fragen, ob wir deutsches Bier dabeihaben (da sie von ihrem eigenen Bier scheinbar auch nicht beeindruckt sind). Wir können ihnen nur kanadisches Bier anbieten, aber das wollen sie definitiv nicht.

Auf nach Alaska, eine Reise ans Arktische Meer und wo die Sonne nicht mehr untergeht. Aber mehr dazu beim nächsten Mal.

Bis dahin bleibt gesund und habt etwas Geduld mit unserer Reise Blogerei. Wir geniessen endlich den Moment, den wir schon über zwei Jahre herbeigesehnt haben und brauchen immer etwas Zeit um das erlebte zu verdauen und wiederzugeben.

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