Willkommen im Westen

Es ist nun schon Mai und die Grenzen zu Kanada und Mexiko sind noch immer zu. Wir sitzen in unseren kleinen Camper-Blase und bekommen von dem ganzen Corona eigentlich nicht mehr viel mit, bis auf die immer noch steigenden Zahlen in den USA und die Absperrbänder in den Nationalparks und den Stränden.

Aber zurück zum Anfang. Nachdem wir in Utah untergetaucht sind, hatten wir auch schon wieder keine Lust mehr auf die Wüste. Wir haben einige Canyons bewandert, doch nun war genug, so schön diese Landschaft auch ist, wir sehnten uns nach Grün und Meer. Laut Google schienen einige Parks in Oregon offen zu sein, also planten wir unsere Reise nach Oregon, mit Zwischenstopp bei heissen Quellen in Nevada. In Nevada gibt es einige heisse Quellen mitten in der Wüste, die auch nicht kommerziell genutzt werden. Soll heissen, mitten in der Pampa gibt es einige Löcher, die mit heissem Wasser gefüllt sind. Gesagt, getan und schon sassen wir in unserem eigenen alten verrosteten Bottich mitten im Nirgendwo im heissen Wasser. Wer auch schon längere Zeit keine richtige Dusche oder ein Bad hatte, kann uns nachempfinden wie gut wir uns fühlten. Neben dem Bottich lief das Wasser in einen kleinen Teich mit Goldfischen, sehr idyllisch wie in einem kleinen Zengarten. Als wir dann in der Dämmerung in unserem Bottich und Bier den Tag gemütlich ausklingen liessen, hörte Lilya plötzlich ein Schmatzen hinter sich. In der Zwischenzeit hatte sich eine Gruppe Esel hinter uns versammelt, die versuchten aus dem kleinen Teich etwas zu trinken. Einer der Esel ist genauso erschrocken wie Lilya und galoppierte mit lautem Geschrei davon, um dann nochmals mit noch mehr Kollegen vorbeizukommen. Ohne einen Mucks oder eine Bewegung von uns, konnten die Esel dann auch neben uns ihren Durst löschen, um dann wieder in der Wüste zu verschwinden – das wir zumindest gehofft hatten. Das Geschrei der Esel hörten wir noch die ganze Nacht und die Esel fühlten sich offenbar auch sehr wohl neben unserem Camper 😊.

Die heissen Quellen waren so schön, dass wir nicht gleich aus Nevada verschwinden wollten. Ein paar Stunden entfernt entdeckten wir einen Fluss auf der Karte, der ebenfalls einer heissen Quelle entspringt, die Bilder dazu noch verlockender. Nach mehrmaligem Verfahren, hin und herspringen zwischen der Grenze von Nevada zu Oregon, haben wir den ominösen Fluss gefunden. Leider hatte sich gleich an der Badestelle ein riesiger Wohnwagen niedergelassen, den Zelten und Generatoren daneben zu urteilen, hatte dieser auch nicht vor in nächster Zeit zu verschwinden. Also hatten wir unser ruhiges Plätzchen ein bisschen weiter flussaufwärts gefunden, wo wir uns gleich in den Fluss stürzen wollten. Der aufsteigende Dampf machte uns dann aber doch stutzig und wir beschlossen das Wasser zuerst mit den Füssen zu testen, oder wie wir feststellen mussten, zu kochen. Der Fluss war so heiss, dass wir nur wenige Minuten im Wasser stehen konnten und wie rote Krebse dann wieder hinausgesprungen sind. Neugierig sind wir dann dem Fluss zum Ursprung gefolgt und waren fasziniert, dass das heisse Wasser einfach so aus dem Boden geblubbert kam, mit wunderschönen farbigen Algen überall. So ein heisser Fluss neben sich zu haben ist schon praktisch, so konnten wir die Wäsche und das Geschirr waschen und eine heisse Dusche aus einem Kübel geniessen.

Am nächsten Tag sind wir dann nach Oregon aufgebrochen, Ziel war es endlich wieder mal unser Vorrat an Essen aufzustocken. Walmart gefunden und fast alles auf der Liste abgehakt. Lustigerweise versuchen wir aber seit einigen Wochen Mehl und Hefe zu finden, aber jedes Mal vergebens, auch das Klopapier ist nach wie vor immer und überall ausverkauft. Nimmt mich schon wunder, was die Amerikaner mit all dem Klopapier, Mehl, Hefe und Pasta Zuhause anstellen und was der Grund ist, dass man dies seit fast zwei Monaten nicht mehr im Laden bekommt.

Anschliessend sind wir gleich Richtung Meer gedüst. Unbeschreiblich, wenn man die letzten Wochen in der Wüste verbracht hat und ein paar Tage später am Meer ankommt. Die kühle feuchte Meeresbriese war unbeschreiblich schön und der Nebel auch eine willkommene Abwechslung. Gleich am Meer haben wir dann auch gleich ein Plätzchen am Strand gefunden.

Am nächsten Tag sind wir zum Klamath National Park gefahren, da dieser laut Google offen sein sollte. Die Fahrt dorthin war schon unbeschreiblich schön und zwischen diesen riesigen Mammutbäumen fühlt man sich selber ganz klein. Im Park angekommen, fiel uns auf, dass jede einzelne Haltestelle am Strassenrand abgesperrt war, sowie jede Nebenstrasse und jegliche Parkplätze. Da wir nirgends anhalten konnten, blieben wir mal vor eines dieser Verbotstafeln stehen und lasen, was da überhaupt draufstand. Offenbar hat man in Oregon und Kalifornien die Parks offengelassen, doch es war verboten in den Parks zu halten oder zu parken, wodurch uns nichts anderes übrigblieb, als durch den Park durchzufahren. Den Einheimischen schmeckte dies offenbar auch überhaupt nicht, weshalb diese alle einfach halb auf der Strasse parkten oder einfach durch die Absperrungen gefahren sind. Genau aus diesem Grund patrouillieren momentan sehr viele Ranger die Parks und schicken die Leute weg und verteilen Bussen. Auch wir haben ganz schnell die Chance genutzt, um ein paar Bilder von den Bäumen zu machen. Da wir also nicht in die Parks gehen konnten und wir sonst nicht wussten was zu tun, entschieden wir uns nach Marshall zu fahren und dem ehemaligen Nachbarn von Lilya am 28.04. zum Geburtstag zu gratulieren. So konnten wir auch der wunderschönen kalifornischen Küste entlangfahren und einige Stopps an ein paar berühmten Stränden machen. Am Meer angekommen mussten wir uns aber eines Besseren belehren lassen. Alle Strände, Rastplätze, Aussichtspunkte, Haltestellen und Parkplätze waren abgesperrt und mit Verbotstafeln tapeziert. Wir konnten sogar für über zwei Stunden nicht anhalten, weil es überhaupt keine Möglichkeit gab mal irgendwo zu halten. In Marshall angekommen, haben wir auch nur schnell eine Geburtstagskarte eingeworfen und sind dann weiterfahren. Die Kalifornier nehmen es sehr ernst mit den vergebenen Richtlinien und verstehen überhaupt kein Pardon. An diesem Tag verbrachten wir nur schon drei Stunden damit einen Schlafplatz zu finden, weil einfach jede kleine Lücke und Nebenstrasse abgesperrt war. Irgendwo auf einem Hügel, haben wir dann einen Parkplatz an der Hauptstrasse gefunden, der nicht mit Verbotsschildern zugekleistert war.

Komplett entnervt entschieden wir uns, an einem Tag direkt zurück nach Oregon zu fahren. In der Zwischenzeit ist auch unser heiss geliebter Boiler geplatzt und das Wetter hat gedreht. Diese Zeit nutzen wir, um unser Camper neu einzuräumen, zu putzen und reparieren und einen Plan zu schmieden, was wir als nächstes machen wollten. Aber wir müssen sagen, dass unser kleiner Camper bis jetzt alles genial gemeistert hat und bis auf den Boiler noch alles heil geblieben ist.

Wir fanden einige Bilder zu Coos Bay und entschieden uns kurzfristig dort hinzufahren, um Lilyas Geburtstag am Meer zu feiern. Ein Plätzchen am Meer haben wir leider nicht gefunden, doch dafür ein kleines thailändisches Restaurant was Take Away anbot und einen kleinen Konfettikuchen aus dem Walmart. Lilya durfte noch die Partyecke im Walmart plündern und ergatterte so auch eine Pinata, Happy Birthday in Quarantäne 😊.

Da alles Richtung Portland an der Küste nur noch schlimmer wurde mit den Absperrungen, sind wir zurück Richtung kalifornischer Grenze. Dort sind die Leute etwas lockerer, sie haben weniger Corona Fälle (24 Fälle, alle genesen) und sogar das Kiffen ist hier legal. Wir wollten nicht zurück in die Wüste, obwohl es dort langsam Lockerung zur Corona Kriese gab. Wir haben mittlerweile ein paar wunderschöne Plätzchen in Kalifornien im Wald gefunden und verbringen dort unsere Zeit seit ein paar Wochen. Hier gibt es einige Gebiete, die zu öffentlichen Erholungszonen gehören und des Öfteren nicht abgesperrt sind. Hier tummeln sich auch momentan alle Amerikaner, aber zum Glück ist der Wald riesig und die Leute verteilen sich hier sehr gut. Wir finden ständig neue kleine Wege zum Fluss die eben sind und immer eine Feuerstelle haben. Es ist absolut perfekt hier, der Walmart ist auch nicht weit, nur gibt es kein Handyempfang. Ab und zu fahren wir von unseren Oasen weg in die Zivilisation, um Essen aufzutanken und uns per Handy zu melden, damit wir nicht als tot erklärt werden.

Wie ihr sicher auch alle in den Medien gesehen habt, steigen die Zahlen in den USA, Kanada und Mexiko immer noch rasant an und am 21.04. wurde die Grenzschliessung zu Kanada erneut um 30 Tage verlängert. Da es hier uns sehr gut geht und wir alles bekommen was wir brauchen, haben wir uns entschlossen unsere Zelte nicht abzubrechen, wie so viele andere getan haben. Wir warten nun ab, ob sie die Grenzen am 21.05. öffnen, ansonsten müssen wir uns bei der kanadischen Genzwacht melden, da bald unser Visum in den USA abläuft und wir es leider nicht verlängern können. Auch wenn wir dann nach Kanada kommen, müssen wir sehen, wie sich der Virus in Südamerika entwickelt. Offenbar gab es jetzt schon viele Probleme in Ecuador und Chile, wodurch die Sicherheit in diesen Ländern nicht mehr gewährleistet ist und wodurch auch wir unsere Reise abbrechen müssten.

Obwohl es sehr anstrengen sein kann, in dieser ungewissen Zeit zu reisen, wollen wir es um keinen Fall missen. Es gibt auch uns viele Möglichkeiten, Ortschaften zu sehen ohne grosse Menschenmengen. In den Städten sind die meisten Leute sehr nett und es herrscht eine Solidarität und Hilfsbereitschaft, die man Zuhause vielleicht gar nicht so intensiv mitbekommen würde.

Uns geht es auf Jeden Fall sehr gut und wir versuchen unsere Reise durchzuziehen, komme was fast alles wolle 😊.

Bleibt gesund!

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